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Der Saulgauer Kronriedbach
Der Kronriedbach (Kroriadbach), einer der schönsten Bäche der Welt, wurde leider in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts zur Kloake und Kanalisation umfunktioniert.

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Der Kronriedbach im letzten Jahrhundert

Kronriedbach um 1960 - Bild 1 Kronriedbach um 1960 - Bild 2 Kronriedbach um 1960 - Bild 3 Kronriedbach um 1960 - Bild 4 Kronriedbach um 1960 - Bild 5 Kronriedbach um 1960 - Bild 6
Fotos: Hatto Maucher, um 1960
Selten gewordene Winterbilder vom ursprüglichen Kronriedbach Anfang der 60er Jahre

Der Kronriedbach und der Sießener Bach waren die beiden Saulgauer Bäche, mit denen die älteren unter uns aufgewachsen sind. Beide münden in die Schwarzach, diese wiederum fließt in die Donau. Während der Sießener Bach schon ziemlich frühzeitig im Stadtgebiet zum unterirdischen Kanalrohr umfunktioniert wurde und als Vorfluter zur Kläranlage diente, durfte der Kronriedbach noch bis in die 70er Jahre zu aller Freude dahinplätschern. Mit dem Bach sind unvergessliche Erinnerungen verbunden. Aus der Stadt vom Festplatz oder über die Sternstraße kommend, auf dem Sträßchen zwischen Tennisplatz und Stadion, erreichte man die erste Brücke beim damaligen Reitstall. An den Reitstall schloss sich links ein großes Gebiet mit Krautländern (Schrebergärten, Kleingärten) an, das teilweise bis heute erhalten ist. Zwischen Bach und Krautländern führte ein idyllischer mit uralten Eschen bestandener Weg Richtung Glockeneich und Bernhausen, auf dem unermüdliche Gärtnerinnen und Gärtner mittels Fahrrädern und Handwagen (Loiterwägele) Torfballen, Gießkannen, Gartengeräte und dergleichen mehr zu ihren Parzellen transportierten - und am Abend wurde dann die Ernte, Kohlköpfe, gelbe Rüben, Radieschen, frischer Schnittlauch, Erdbeeren, Blumen mit denselben Fahrzeugen heimgebracht. Vor allem nach Feierabend und an Wochenenden herrschte hier ein friedliches und buntes Treiben. Manche konnten sich eine Fuhre Kuh- oder Pferdemist leisten, manche besaßen sogar schon ein Auto. Einige hielten sich Hühner, Hasen und andere Kleintiere.
Über den Bach führten kleine Brücken, am Ufer gab es an einigen Stellen Treppenstufen hinab, um Wasser holen zu können. Wer keinen Brunnen hatte, holte das kostbare Nass aus dem Bach und schleppte die schweren Kannen in den Garten. Der feuchte schwarze Moorboden trocknete an heissen Tagen im Sommer schnell aus und musste dann reichlich gegossen werden, sollte nicht alles verwelken.
Auf der den Krautländern gegenüberliegenden Bachseite schlossen sich an den Sportplatz birkenbestandene Feuchtwiesen an, die im Sommer über und über mit Wiesenblumen bedeckt waren. Darüber tanzten Millionen von bunten Schmetterlingen und anderen Insekten. Da waren Arten dabei, die heute hier nicht mehr zu finden sind, einige sind sogar schon fast ausgestorben.
Der Kronriedbach war ein durch und durch lebendiges Gewässer. Die feuchten Wiesen taugten damals noch nicht zu intensiver Landwirtschaft, Kunstdünger und andere chemische Gifte wurden nicht oder nur wenig eingeschwemmt. Im Wasser tummelten sich Bachforellen, Stichlinge, Elritzen, Schlammbeißer, Bachflohkrebse, Wasserkäfer, Libellenlarven, Köcherfliegenlarven, Süßwasserpolypen, Daphnien, Hüpferlinge, Rückenschwimmer, Wasserläufer, Wasserskorpione - die Liste der wuselnden Wasserbewohner könnte seitenlang fortgesetzt werden. Ein Paradies für forschende und spielende Kinder und für Naturfreunde.
Am Oberlauf des Kronriedbachs (an der Birkenwegbrücke), dort wo er kaum Strömung hatte und quasi ein fast stehendes Gewässer war, gab es Frösche: kleine grüne Tiere mit breiten Mäulern, die Musik oder (je nach Gehör und Kunstverständnis) Lärm machen - ein herrlicher Chor! In der Volksschule wurde im Fach Heimatkunde die Metamorphose von Froschlaich über die Kaulquappe zum fertigen Lurch durchgenommen. Also zogen wir Kinder los, holten uns Froschlaich aus dem Bach und beobachteten daheim im Einmachglas, wie die Kaulquappen schlüpften, nach und nach kleine Händchen und Füßchen bekamen und zu kleinen Fröschen wurden. Nachdem wir die Entwicklung mehr oder weniger richtig im Schulheft dargestellt hatten, transportierten wir die Tierchen wieder zurück zum Bach - wobei wir granatenmäßig von den Bremsen gestochen wurden, und hatten doch keine Hand zur Abwehr frei, weil wir das Glas nicht fallenlassen wollten.
Bei den Jugendlichen traten Wasserpantschen, Käscher und Abenteuer in der Natur dann öfter in den Hintergrund. Dafür wurden Naturerlebnisse anderer Art umso interessanter, die von zweibeinigen Exemplaren des jeweils anderen Geschlechts ausgelöst wurden: Der Weg am Kronriedbach war (neben Birkenweg und Sießener Fußweg) eine der beliebten Saulgauer Poussiermeilen.
Die obigen Schwarzweißbilder entstanden anlässlich einer versaubeutelten Mathe-Klassenarbeit, die zur Ablenkung einen Spaziergang in der Kronriedbach-Gegend zur Folge hatte.
Herzlichen Dank an den Fotografen für die Zusendung der Bilder!
Text: Pit Fischer


Der Kronriedbach heute

Kronriedbach heute 1 Krautland 2005 - 43 Kronriedbach heute 2 Kronriedbach heute 3 Kronriedbach heute 4 Kronriedbach heute 5 Krautland 2005 - 44 Krautland 2005 - 45 Krautland 2005 - 52 Krautland 2005 - 47 Krautland 2005 - 48
Fotos: Pit Fischer
So sieht der Kronriedbach heute aus, bzw. nicht aus: er ist nämlich nicht mehr da.
Das linke Bild entstand Juli 2009 und zeigt den Blick von der Wegeinmündung am Tennisplatz/Stadiontribüne Die anderen Bilder sind vom Oktober 2005 und folgen dem ehemaligen Bachlauf entlang den Krautländern in Richtung Fluglandebahn/Glockeneich/Bernhausen.
Wo einst ein wunderschöner lebendiger Bach floß, ist nur ein Weg geblieben. Der Bach läuft unterirdisch in Kanalrohren. Zynischerweise wurde auch noch ein Schild "Naturdenkmal" aufgestellt. Immerhin haben sie nach der Verdohlung wenigstens einige von den schönen alten Eschen stehengelassen.
Weiter hinten (hier nicht im Bild) wird die B 32 (Ortsumfahrung der Bundesstraße, die momentan noch durch die Herbertinger und Kaiserstraße verläuft) den Weg und die benachbarten Krautländer kreuzen.
(siehe auch unter Straßenbau)
Wer sich an den Kronriedbach erinnert, als es ihn noch gab, mit seinem alten Eschenbestand, all seinen Bachforellen und kleinen Fischchen, mit seinen Wasser- und Uferpflanzen, Brückle und Trepple, wird bei diesem Anblick so wie der Photograph wehmütig gestimmt werden. Da treibts einem wirklich die Tränen in die Augen.
Aber nicht genug! Es ist nie schlimm genug, als daß es nicht noch schlimmer kommen könnte: Immerhin gab es, wie die Bilder aus dem Jahr 2005 zeigen, statt des Kronriedbachs noch einen schönen, von alten Eschen bestandenen Weg entlang des Krautlandgebiets. Nun aber wird der Rest der Idylle auch noch durch den Neubau der Umgehungsstraße zerstört (siehe Bilder weiten unten auf dieser Seite).


Das Ende des Kronriedbachs

Ende des Kronriedbachs Ende des Kronriedbachs: Detailansicht 1 Ende des Kronriedbachs: Detailansicht 2 Ende des Strebelbachs 1 Ende des Strebelbachs 2 Ende des Strebelbachs 3
Fotos: Pit Fischer, März 2010
Hier endet der Kronriedbach (linke 3 Fotos) und der Strebelbach (rechte 3 Fotos)
An dieser Stelle stürzen der Oberlauf des Kronriedbachs und der kanalisierte Strebelbach durch zwei Gitter hinab in die Rohre der Kanalisation - bis zur Saulgauer Kläranlage. Nicht weit entfernt gibt es ein Feuchtbiotop, das u.a. für die Saulgauer Störche angelegt wurde. (Bzw. korrekter ausgedrückt: ein kleiner Teil des früheren Kronrieds wurde hier renaturiert.)

Der uferlose Uferweg

Strassenschild Uferweg
Foto: Pit Fischer
Uferweg, Ecke Glockeneichweg. Wo ist das Ufer? Ufer von was?
Die Verantwortlichen, die seinerzeit den Kronriedbach verdohlt haben, hielten es offensichtlich nicht für nötig, wenigstens konsequenterweise auch den Straßennamen in "Kanalrohrweg" oder "Gullyweg" oder "Kläranlagenweg" umzubenennen.
So gibt es heute paradoxerweise einen uferlosen Uferweg.


Die Renaturierung des Kronriedbachs

Der Umweltbeauftragte der Stadt Bad Saulgau, Thomas Lehenherr, hat in der Nummer 39 des Saulgauer Stadtjournals in der Rubrik "Informationen über aktuelle städtische Themen" angekündigt: "(...) ein Teil des Kronried- und Strebelbachs wird renaturiert (...)".
zitiert aus: Stadtjournal Bad Saulgau Nr. 39 vom 24.9.2009, S. 4
Die Glockeneich-Webredaktion begrüßt jede Reaturierung von Bächen, natürlich ganz besonders die des Strebel- und Kronriedbachs (der Strebelbach ist nämlich auch ganz schön verschandelt). Mißtrauisch macht uns jedoch die Formulierung "ein Teil". Als alte Skeptiker können wir uns vorstellen, wie das konkret aussehen wird: irgendwo werden ein paar Meter renaturiert - wo es den Verkehr nicht behindert, wenig kostet und der Wirtschaft nicht im Weg ist. JEDOCH: wir sind zwar Skeptiker, aber keine eingefleischten Pessimisten und lassen uns gerne vom Gegenteil überzeugen.
Sicherheitshalber wiederholen wir hier unsere jahrzehntealte Forderung:
Wir fordern die Renaturierung des Kronriedbachs auf voller Länge, bis zur Einmündung in die Schwarzach.
Geld ist schließlich im Überfluss vorhanden, wie man am Straßenbau sieht.

Renaturierung 1? Renaturierung 2? Renaturierung 3? Renaturierung 4? Renaturierung 5?
Ist das etwa schon die angekündigte Renaturierung des Kronriedbachs? Der geneigte Leser, die geneigte Leserin ahnen es bereits: mitnichten. Dies ist keine Renaturierung, sondern eine weitere Denaturierung.
Fotos: Pit Fischer, März 2010


Der Oberlauf des Kronriedbachs

Kronriedbach im Oktober 2005, 1 Kronriedbach im Oktober 2005, 2
Fotos: Pit Fischer 2005
Blick vom Birkenwegbrückle auf den dicht mit Bäumen und Gesträuch bestandenen Oberlauf des Kronriedbachs

Fruehling 2007 am Kronriedbach 1 Fruehling 2007 am Kronriedbach 2
Fotos: Pit Fischer 2007
Frühling am Kronriedbach mit Blick auf Bondorf

Kronriedbach im September 2008, 1 Kronriedbach im September 2008, 2 Kronriedbach im September 2008, 3
Fotos: Pit Fischer September 2008
September-Blick auf den herrlichen Schwarzpappelbestand am Oberlauf des Kronriedbachs

Oberlauf Kronriedbach 1 Oberlauf Kronriedbach 2 Oberlauf Kronriedbach 3
Fotos: Pit Fischer 2009
Blick vom Birkenwegbrückle auf den Kronriedbach und seine Pappeln
Der Oberlauf des Kronriedbachs ist noch relativ gut in Schuß, besonders schön auch die Uferbewachsung mit Büschen und Sträuchern und der herrliche alte Schwarzpappelbestand.
Beklemmend der Gedanke, wie der Oberlauf nach Fertigstellung der Ostumfahrung aussehen wird. Wir behalten die Sache im Auge.





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Stand: 2. März 2012

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